Freifunk-Serie (3): Warum man Freifunk (politisch) unterstützen sollte

Logo von Freifunk.netNachdem ich in Teil 1 erkärt habe, was Freifunk ist und in Teil 2 über meine ersten Schritte mit Freifunk berichtet habe berichtet habe, möchte nun darauf eingehen, warum man Freifunk (politisch) unterstützen sollte.

 

Datenvolumen fürs Smartphone alle…?

Smartphone (Foto: Ute Mulder / pixelio.de)

Foto: Ute Mulder / pixelio.de

Wahrscheinlich kennt ihr das: Ihr seid unterwegs und bekommt eine oder mehrere E-Mails mit größeren Anhängen oder habt mehrere Fotos geschossen und wollt diese schnell bei Facebook oder Twitter hochladen? Solange man noch genügend Datenvolumen hat, sollte das kein Problem sein, aber was ist ab Monatsmitte, wenn das Volumen aufgebraucht ist und man nicht 20 Minuten warten will, bis eine E-Mail mit einem 3 MB großen Anhang heruntergeladen ist? Richtig, jetzt wäre es schön, sich einfach mit einem freien und offenen WLAN ohne lästige Registrierung verbinden zu können und Daten schnell, einfach und anonym hoch- oder herunterladen zu können. Freifunk wäre natürlich ideal!

Du sitzt in einem Café und würdest gern arbeiten…?

Notebook & Café

Foto: Studio Cl Art / photl.com

…aber meist gibt es nur kostenpflichtiges WLAN von der Telekom oder WLAN von Kabel Deutschland, was nur 30 Minuten kostenfrei und teilweise zensiert ist. Oder auch der Café-Inhaber hat ein WLAN eingerichtet, aber das ist natürlich verschlüsselt. Du musst also erst reingehen und dir den Login-Code holen. Der Café-Inhaber müsste einfach nur seinen vorhandenes DSL-Modem mit einem Freifunk-Router verbinden. Dazu einen schicken Freifunk-Aufkleber an den Eingang und fertig!

Seid ehrlich: Nutzt du deinen Internetanschluss wirklich 24 Stunden am Tag voll aus?

Wir nutzen unseren privaten Internetanschluss nur ein paar Stunden am Tag wirklich intensiv. Meist abends, wenn wir neben dem Fernsehen surfen, Beiträge aus der Mediathek schauen oder einen Film aus einer Online-Videothek schauen. Aber der Großteil des Tages ist unser privater Anschluss ungenutzt.
Genauso sieht es in den meisten Fällen mit geschäftlich genutzten Internetanschlüssen aus – tagsüber werden diese intensiv genutzt, ab dem späten Nachmittag geht die Nutzung deutlich zurück.
Natürlich gibt es eine Reihe von Ausnahmen, aber in der Regel spiegelt das oben beschriebene Nutzungsverhalten die Realität ganz gut wieder. Warum sollte man also nicht einen Teil seines Internetanschluss (es müssen ja nicht die 50 MBit/s sein, es würden ja auch schon 2 MBit/s reichen) anderen Menschen zur Nutzung mit zur Verfügung stellen?

Anonym im Netz unterwegs in Zeiten von NSA, Google, Facebook & Co?

Eine Person guckt durch ein Schlüsselloch.

Foto: Bernd Kasper / pixelio.de

Erst durch die Aufdeckung der NSA-Massenspionage scheint in Deutschland wieder ein Stück weit Bewusstsein für den Umgang mit den eigenen Daten und Datenschutz im Allgemeinen entstanden zu sein. Da auf den Freifunk-Servern keinerlei Verbindungsdaten gespeichert werden und der Zugang zum Internet über einen VPN-Server in Schweden läuft, besteht ein vollständig anonymer Zugang zum Internet.
Häufig kommt dann sofort der Einwand von Menschen, dass man dann Straftaten nicht mehr verfolgen könnte. Leute könnten so z.B. Kinderpornos herunterladen oder andere Straftaten begehen und würden nicht verfolgt werden können. Solchen Aussagen entgegne ich immer: Zum einen sollte man nicht seine Freiheit und sein Recht auf Anonymität wegen einem ganz kleinen (kranken) Teil der Menschheit (0,00…01 Prozent) opfern. Zum anderen wissen diejenigen, die im Internet Straftaten begehen wollen, meist sehr gut, wie man sich im Internet anonym bewegen kann (es gibt dazu eine ganze Menge Anleitungen).
Warum also der NSA, Google, Facebook & Co. seine Daten hinterherwerfen? Freifunk nutzen und anonym im Netz unterwegs sein!

Nur 2 MBit auf’m Land…?

56k ModemNicht erst seit einem Frontal21-Bericht im Juli diesen Jahres ist bekannt, dass eine Reihe von ländlichen Regionen nur mit 2 MBit/s versorgt sind oder gar überhaupt nicht über DSL verfügen und so mit ISDN-Geschwindkeit „surfen“ müssen. Dies trifft aber bei Weitem nicht nur auf die ländlichen Regionen zu, sondern sogar Teile von Großstädten verfügen über keinen vernünftigen DSL-Anschluss (sogar z.B. Teile von Berlin-Mitte).
Der Ursprungsgedanke von Freifunk war und ist, Ost-Berlin über Funkstrecken mit schnellem Internet zu versorgen. Dieser kann auch hier helfen: Dörfer ohne oder mit schlechter DSL-Verbindung über Richtfunk an das Freifunk-Netz anschließen. Möglich ist das schon mit relativ wenig Geld und einer Sichtverbindung. Und hier schafft man auch über mehrere Kilometer eine Geschwindkeit von 100 MBit/s.
Freifunk sorgt dafür, dass auch der ländliche Raum über einen vernünftigen Zugang zum Internet verfügt. Ohne dass man darauf warten muss, bis die Telekom irgendwann einmal in die Puschen kommt.

Internetzugang auch für diejenigen, die es nicht so dick haben!

Viele Hände greifen ineinander.

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Man glaub es kaum, aber es gibt immer noch eine ganze Reihe von Menschen, die sich keinen Internetzugang leisten können! Die Gründe sind meist (Langzeit-)Arbeitslosigkeit oder auch schlechte SCHUFA-Einträge. Doch mittlerweile ist ein Zugang zum Internet und damit zu Informationen zu einer Art Grundrecht geworden. Gerade auch Kinder bekommen immer mehr in den Schulen als Hausaufgaben auf, etwas im Internet zu recherchieren – blöd nur, wenn man dann keinen Internetzugang hat.
Solidarität mit diesen Menschen zu üben, die es nicht so dick haben, und auch ihnen einen Zugang zum Internet zu ermöglichen ist ein wichtiger Grundsatz von Freifunk.

Startups den Start erleichtern – Freifunk als Wirtschaftsförderung

Wachstum stilisiert auf einem Smartphone (Bild: Tony Hegewald / pixelio.de)

Bild: Tony Hegewald / pixelio.de

Alle, die schon einmal privat einen Internet- und Telefonanschluss beantragt haben, wissen, dass das unter Umständen mehrere Monate dauern kann.
Existenzgründungen, auch Startups genannt, die eine gute Idee haben, sollten aber möglichst schnell an den Start gehen können und nicht ewig lange in der Luft hängen. Hier einfach das Freifunk-Netz mitnutzen zu können, ist der einfachste und schnellste Weg, eine Idee zum Laufen zu bringen.
Und später werden auch Startups auch eine größere Bandbreite benötigen und sich einen normalen DSL-Anschluss auch leisten.
Ein freier Zugang zum Internet mittels Freifunk fördert Innovation und damit auch die Wirtschaft.

WLAN im Urlaub…?

Marktplatz in Mainz (Foto: Thomas Max Müller / pixelio.de)

Marktplatz in Mainz (Foto: Thomas Max Müller / pixelio.de)

…ist heute eine Selbstverständlichkeit! Wenn man in einer Stadt unterwegs ist, sich unkompliziert mit einem WLAN-Netz verbinden kann und schnell die Urlaubsfotos den Lieben zu Hause zuschicken kann, trägt das unweigerlich auch zu einer positiven Stimmung bei, hat einen Werbeeffekt und trägt somit auch zur Stärkung des Tourismus bei.
Wenn eine Stadt damit werben kann, dass z.B. die komplette Innenstadt mit kostenfreiem, offenen WLAN ausgestattet ist, wird das mittlerweile nicht nur registriert, sondern fließt auch bei Vergleichstests positiv mit ins Ergebnis ein.
WLAN ist ein (kleiner) Erfolgsfaktor für den Tourismus – Freifunk machts einfach und unkompliziert möglich!

Freifunk ist ein ehrenamtlich betriebenes, nicht-kommerzielles Bürgernetz – Bürgerschaftliches Engagement muss vorrangig unterstützt werden!

Briefmarke zum Thema Ehrenamt aus dem Jahr 2008.

Quelle: Deutsche Post AG

Freifunk ist eine ehrenamtlich getragene, nicht kommerzielle Initiative. Sie macht freies, offenes WLAN von Bürgern für Bürger. Es stehen also bei Freifunk keine Konzerninteressen und nicht die Gewinnmaximierung wie bei der Telekom oder Kabel Deutschland im Vordergrund, sondern Engagement und Enthusiasmus für eine gute Sache. Konzerne investieren nur dort, wo auch Gewinne absehbar sind. Die öffentliche Hand sollte aber bürgerschaftliches Engagement zugunsten des Gemeinwohls gegenüber Gewinninteresseren einzelner Konzerne vorziehen.
Die Unterstützung von Freifunk durch die öffentliche Hand bedeutet auch eine Stärkung unseres demokratischen Gemeinwesens.

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